Die RedTube Abmahnwalle – Die große Schlamperei ? **Update**

(Foto Karl-Heinz Laube  / pixelio.de) Vor ein paar Tagen schrieb ich ja schon etwas zu der jüngsten Streaming Abmahnung. Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass es sich dabei nicht nur um eine kleine Abmahnung, sondern eine richtige Tsunami Abmahnwelle handelt. Hunderte Betroffene haben sich wohl schon bei verschiedensten Anwaltskanzlein deswegen gemeldet. Interessanterweise habe ich heute eine Leser Zusendung erhalten, die ich so auch auf Caschys Blog nachlesen konnte. Persönlich habe ich die Information nicht verifiziert, aber wenn Caschy sagt, dass er mit der Anwaltskanzlei telefoniert hat und sich die Infos hat bestätigen lassen, dann ist mir das glaubhafter als manch eine Schlagzeile einer deutschen Tageszeitung. 😉

Die große Schlamperei mit dem Richtervorbehalt

Die Anwälte Werdemann / von  Rüden vertreten aktuell einige der von der Abmahnwelle Betroffenen und haben beim Landgericht Köln, wo auch der Auskunftsbeschluss zur Herausgabe der Anschlussinhaber herstammt, Akteneinsicht gefordert und erhalten. Hier fängt jetzt die große Schlamperei an, die ich jetzt mal so als wahr annehme, da ich selbst die Akte nicht gesehen habe. Jedenfalls scheint es, dass der Antrag auf Auskunft die üblichen Floskeln bein Verstößen durch eine Internettauschbörse enthält. So wird dort z.B. auch erwähnt, dass die IP-Adressen durch eine itGuards Inc. erhoben wurden, die Daten von einem Mitarbeiter heruntergeladen und überprüft wurden. Bei den üblichen Torrent Filesharing Abmahnung mag das noch Sinn machen, aber hier ging es ja überhaupt nicht um das Sharen, sondern um die Nutzer von Redtube.com. Hier merkt man schon, dass der Anwalt, der diesen Antrag gestellt hat, vermutlich eine alte Vorlage verwendet hat und hier nur ein paar Kästchen ausgefüllt hat. Fraglich ist, ob das überhaupt je ein Anwalt zu Gesicht bekommen hat, sonst müsste das ja sofort auffallen. Vermutlich war das die arme Vorzimmerdame, die eine alte Vorlage herausgekramt hat und die Lücken ausgefüllt hat. Vielleicht erklärt das auch die geringe Forderung von nur 250 EUR. Das wäre ja dann fast ehrlich und gerecht. 😉

Der Richter am Landgericht

Der nächste Schritt der Schlamperei fängt in meinen Augen beim Landgericht Köln an. Wenn tatsächlich der dort zuständige Richter, ja es muss wirklich ein Richter entscheiden, das so einfach durchgewunken hat, dann sind wir in Absurdistan angekommen.Ich zitiere hier mal aus § 101 (9) UrhG:

 

Kann die Auskunft nur unter Verwendung von Verkehrsdaten (§ 3 Nr. 30 des Telekommunikationsgesetzes) erteilt werden, ist für ihre Erteilung eine vorherige richterliche Anordnung über die Zulässigkeit der Verwendung der Verkehrsdaten erforderlich, die von dem Verletzten zu beantragen ist. Für den Erlass dieser Anordnung ist das Landgericht, in dessen Bezirk der zur Auskunft Verpflichtete seinen Wohnsitz, seinen Sitz oder eine Niederlassung hat, ohne Rücksicht auf den Streitwert ausschließlich zuständig. Die Entscheidung trifft die Zivilkammer.

Bei diesem Eingriff handelt es sich nämlich um einen ziemlich krassen Eingriff, weshalb der Gesetzgeber hier den Richtervorbehalt vorgesehen hat. In Köln scheint hier tatsächlich der zuständige Richter geschlafen zu haben, da der ganze Sachverhalt vorne und hinten nicht zusammen passt. Auffällig ist, dass es bisher nur Telekomkunden erwischt hat. Evtl. haben die anderen Richter an den anderen Landgerichten hier besser aufgepasst, da man von Vodafone-, O2- oder Kabelkunden bisher noch nichts hinsichtlich der Abmahnungen gehört hat. Vielleicht brauchen die aber auch nur einfach länger mit der Bearbeitung. Wer weiß das schon. Ich denke hier aber positiv und gehe davon aus, dass die jeweiligen Richter den Auskunftsantrag einfach abgelehnt haben.

Tony Hegewald  / pixelio.de

Tony Hegewald / pixelio.de

Die ??? und wo kommen die IP-Adressen jetzt her ?

Jetzt haben wir zwar prinzipiell eine plausible Erklärung wie die Rechteinhaber an die Namen und Adressen der IP-Inhaber gekommen sind, aber wir wissen immer noch nicht genau wie diese an die IP-Adressen als solches herangekommen sind.

Ich hatte ja schon drei Möglichkeiten aufgezählt, von der aber eigentlich nur die NSA Variante übrig bleibt. Nein natürlich nicht. 😉 Das Thema Honeypot wurde ja von verschiedenen Seiten ebenfalls aufgegriffen und man vermutet, dass es sich um einen Trojaner oder Malware handelt, der die jeweiligen Rechner auf eine Seite umgeleitet hat, bevor die Weiterleitung auf Redtube.com weiterging. Wie es genau war wird man wohl auch in naher Zukunft nicht so schnell erfahren. Fakt ist, solange man nicht direkt die Daten von Redtube.com erhalten hat, kann man eigentlich keine detailierte Auskunft darüber machen, welche IP-Adresse welchen Filme auf Redtube sich angeschaut hat. Wie ich aber in dem ein oder anderen Kommentar gelesen habe, gibt es bestimmte Filme aber garnicht auf Redtube, was mich vermuten lässt, dass die Rechteinhaber einfach an eine Liste von IPs von Redtube.com Besucher gekommen sind und diese dann auf gut glück flächendeckend abgemaht haben. Das passt insoweit gut ins Schema rein, da man ja versucht soviele wie möglich zu erreichen. Ich vermute mal, dass die die wirklich auf Redtube.com waren, sich auch kaum noch dran erinnern können, welchen Film Sie sich da genau angeschaut haben. 😉 Liste der betroffenen Filme gibt es auch auf der Seite von Lars Sobiraj. Im Zweifel fühlt man sich mit der Abmahnung erstmal erwischt und peinlich berührt, dass das jemand mitbekommen hat. Da ist es dann auch egal, dass man genau diesen Film garnicht gesehen hat bzw. überhaupt sehen kann auf diesem Portal.

Karl-Heinz Laube  / pixelio.de

Karl-Heinz Laube / pixelio.de

Fazit

Ein paar Fragen sind beantwortet, viele Fragen sind aber noch offen. Ich freue mich schon auf den ersten User, der sich auf einen Schlagabtausch einlässt. Man könnte nämlich jetzt durchaus mal eine Klage in Betracht ziehen, dass das Landgericht hier so einfach und leichtfertig personenbezogene Daten herausgegeben hat. Wenn das nämlich so Usus wird, dann brauchen wir auch keine NSA mehr, denn dann kann jeder Rechteinhaber mit irgendwelchen IP-Adresse Namen und Adressen einsammeln gehen.

Ein sehr interessantes Thema und ich werde auf jeden Fall dranbleiben. 😉

**Update**

Mittlerweile wurden auf der Seite Abmahnhelfer.de auch die gerichtlichen Unterlagen zum Auskunftsbeschluss hochgeladen. Ist schon interessant was man da so lesen kann. 😉

 

 

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Baujahr 1982 in Darmstadt - von klein auf am Rechner und an der Konsole - E-Sports Vergangenheit - 5 Jahre Informatik Studium, 3,5 Jahre Informationsrecht - mittlerweile was seriöses studiert und verdinge mich als Leiter Lizenzmanagement bei einem Automobilzulieferer in Gelnhausen.

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4 Comments

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    Kerstin

    Alle genannten Filme, im besonderen Amanda´s Secret wurden in besagtem Zeitraum als direkte Spammail an Millionen Adressen versendet. Das ging über 10 Tage so. Eine Abmeldung aus der Versandliste war überhaupt nicht möglich, da wurde man gleich in andere Kanäle weitergeleitet. Es wäre nicht verwunderlich, wenn dies eine gut ausgedachte Falle war.

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      Ioannis "Oberbula" Thomas

      Hallo Kerstin, ja so langsam verdichten sich die Anzeichen, dass die IP-Adresse aus einer mehr oder weniger illegalen Quelle stammen. Interessant wird es, ob es tatsächlich weitere Abmahnungen geben wird oder man jetzt doch lieber die Füsse Stil hält.

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